Waggonhalle

"Indien"

Die Waggonhallen Produktion #1:



Text: Josef Hader, Alfred Dorfer
Regie: Steffen Schmidt

Premiere: 08.03.2006, Waggonhalle Kulturzentrum



Waggonhalle

Die beiden Gastronomieprüfer...

... Heinzi Bösel und Kurt Fellner - der eine ordinär und schmuddelig, der andere ein zwanghafter Spießer - müssen sich zusammenraufen, um auf einer Dienstreise durch die Provinz miteinander auszukommen.

Es geht um Wartezeiten für Schnitzel, Saunageländer, nicht funktionierende Duschen und 13-jährige Wirtstöchter, Plankton und Weitschiffen.

Was mit Hass und bitterster Feindseligkeit beginnt, endet in tiefer Freundschaft, die am Ende selbst dem Tod standhält.

Bösel: (steigert sich hinein):
Dann sagen Sie's grade heraus! Reden Sie nicht so hintenherum. Kommen Sie mir doch nicht mit den Japanern. Die fliegen auch mit'm Flugzeug gegen ein Schiff und sind hin. Das is ja kein Vorbild in meinen Augen. Denn Fisch fressen sie roh - und wahrscheinlich als Beilage den Philodendron, den sie vorher im Bett bearbeitet haben.

Fellner: Das ist unsachlich, Herr Bösel.

Ausgesucht wurde ein Stück, das in Österreich als Bühnen- und in der Blockbuster-Kinofassung absoluten Kultstatus genießt.

"Überwältigende Stimmungsbilder mit markantem Wortwitz und überragenden Schauspielern." (Marburger Neue Zeitung)
"Ein amüsanter Einblick in die Welt einer skurrilen Männerfreundschaft." (Oberhessische Presse)



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Freundschaft auf niederösterreichisch

Der Titel des Theaterstücks mag den Zuschauer zunächst in die Irre führen: Indien - hört er, denkt an ein exotisches, bezauberndes Setting und möchte Voyeur sein in einer fremden Kultur.
Aber "Indien" spielt nicht in Indien und hat auch ansonsten wenig mit dem begehrten Ziel eines wahren Rucksacktouristen gemeinsam. "Indien" spielt nämlich in Österreich.

Nisse Kreysing spielt einen Kontrolleur des Fremdenverkehrsvereins, der Beherbergungsbetriebe testet. Er wird von seinem Partner (Matze Schmidt) auf dem Hoteltrip begleitet - und genervt.

Denn der ist das genaue Gegenteil seiner selbst: agil, Vegetarier und sehr redselig. So zeigt das Stück wunderschöne Szenen der Kommunikation zwischen einem, der an seiner Verstocktheit nahezu erstickt und jemandem, von dem man meinen könnte, er leide an Logorrhöe. Doch langsam kommen sich die beiden höchst unterschiedlichen und seltsamen Charaktere immer näher. Und ob sie wollen oder nicht, irgendwann können sie nicht mehr abstreiten, daß sie sich mögen.

"Indien" erzählt dem Zuschauer ein Märchen von Akzeptanz, Fürsorge und gemeinsamen Erlebnissen. Von Freundschaft eben. Und es weckt die Sehnsucht nach Geborgenheit und einem echten Freund.



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"Indien, eine Tragikomödie"

Unter der Oberfläche der beiden ungleichen Protagonisten, Heinzi Bösel und Kurt Fellner, die im Wirtshaus über die letzten und die ersten Dinge, Wiener Schnitzel und ihre Ängste philosophieren, lauern lauter kleine Tragödien von einsamen Männern.

Eine kammertheatralische Groteske von derb-menschlicher Art, deren Humor sich nicht sofort aufdrängt, sondern erst im Laufe des Stückes zum tragen kommt. Die beiden sind nicht bloß schmierige, grob balzend und bolzende Zeitgenossen die sich anfänglich nicht ausstehen können, sondern die beiden Gastro-Genossen verbindet am Ende wirkliche Freundschaft, die rührt und traurig macht.

Als sich am Ende des Stückes der Tod hineinschleicht und die beiden versuchen, mit diesem Sterben umzugehen - überaufmerksam, witzereißend und zugleich hilflos menschlich - verleiht dies dem polternden Vorspiel eine zerbrechliche Würde und Größe.
Eine subtile emotionale Entwicklung der Beziehung zweier Menschen zueinander, an deren Endpunkt der Zuschauer/die Zuschauerin das Gefühl hat an einem besseren Ort angekommen zu sein - unweit von "Indien" eben.

Josef Hader und Alfred Dorfer schrieben die Tragikomödie "Indien" und traten damit 1991 im Theater auf. Zwei Jahre später verfilmte Paul Harather das Stück zusammen mit Josef Hader und Alfred Dorfer.



Waggonhalle

Mitwirkende

Kurt Fellner Matze Schmidt
Heinzi Bösel Nisse Kreysing
Wirt Uwe Lange
Regie: Steffen Schmidt
Regie-Assistenz: Antje Keßler
Dramaturgie und Übersetzung: Fabian Famulok
Bühnenbild: Steffen Schmidt, Fabian Famulok
Kostüme: Steffen Schmidt, Antje Keßler
Licht: Willi Schmidt, Steffen Schmidt
Projektionen:Steffen Schmidt, Fabian Famulok
Plakat und Flyer: Karen Rothweiler
Programmheft: Antje Keßler, Nisse Kreysing
Layout: Werner Gerber, Patric Meisner
Technik: Willi Schmidt, Joachim Hering
Fotos: Gerd Sycha


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Pressestimmen:


"Indien" feiert Premiere in der Waggonhalle

"Indien", eine Tragikomödie von Joseph Hader und Alfred Dorfer, die in Österreich absoluten Kultstatus genießt, hatte am Mittwoch in der Waggonhalle Premiere.
von Tobias Hirsch

Matze Schmidt und Nisse Kreysing, zwei der vier Betreiber der Waggonhalle, wechselten am Mittwochabend vom Management ins Scheinwerferlicht. Nicht zum ersten Mal in Marburg, aber erstmals als Betreiber des Kulturzentrums. Sie boten rund 50 Besuchern einen amüsanten Einblick in die Welt einer skurrilen Männerfreundschaft.
Wie ein zu spät gekommener Besucher betritt Heinzi Bösel (Nisse Kreysing) durch den Besuchereingang das Theater. Arrogant, ungepflegt und rauchend sucht er den Weg zu dem spartanischen Bühnenbild. "Ein Bier", erklingt es undeutlich durch die zusammengepressten Zähne des an einen Tresen gelehnten Darstellers.

Der Wirt (Uwe Lang) eilt herbei und bringt dem schmuddeligen Gastronomieprüfer, den neben Schweineschnitzel und Negerkussbrötchen nur die roten Strapse seiner Gattin interessieren, das verlangte Getränk - das erste von fünf.

WaggonhalleBösel, der unentwegt mit vollem Mund spricht und die Nase hochzieht, befindet sich auf einer Dienstreise durch die Provinz. Seiner Unzufriedenheit, diese mit dem spießigen Kollegen Kurt Fellner verbringen zu müssen, macht er dabei Luft. "Verpiss Dich Du Scheißkerl. Noch ein Bier!", knurrt der sympathische Prolet, als der überkorrekte Fellner (Matze Schmidt) die Bühne betritt. "Ich hätte gerne einen frisch gepressten Orangensaft. Danke, ganz lieb", flötet Fellner. "Und 'ne Fanta", brüllt der pragmatische Bösel dem Wirt hinterher.

Die Zwiegespräche entlocken dem Publikum regelmäßig Lacher. Sie drehen sich um freie Liebe und Schmalzbrote, Plankton und Cholesterin, Eskimos und Weitpinkeln, Wartezeiten für Schnitzel und Völkerwanderungen.
Die beiden Darsteller wirken in ihren Rollen außerordentlich überzeugend. Bösels charakteristisch lautes Lachen, die schmierige vulgäre Art, der Hang zur Aggression und das dreiste Verhalten scheinen Kreysing wie auf den Leib geschneidert. Auch Schmidt verkörpert gekonnt den verkappten Fellner mit seinem nervösen Blick und der hektischen Art.

Gespickt mit Yogaübungen, indischer Musik, Weisheiten, Alkoholexzessen und vulgären Witzen nimmt das Geschehen in dem Gasthof seinen Lauf, bis sich die Kampfhähne vor der Herrentoilette in den Armen liegen.
"Du bist der erste Mensch seit meiner Mutter, neben dem ich scheißen kann", sagt Bösel. Zum Ende des Stückes schleicht sich, für den Zuschauer etwas verwirrend, der Tod ein.

Die beiden Gastronomieprüfer, die sich zunächst nicht leiden konnten, verbindet seit dem "Intimwerden" auf der Toilette eine echte Freundschaft. Rührselig versuchen sie mit dem Sterben umzugehen. Der grobe Bösel ist betont aufmerksam, Fellner präsentiert sich witzereißend.

Auf einer Schaukel über der Bühne setzt sich der Todgeweihte mit "lebenswichtigen" Fragen auseinander: Fühlt man sich als Asche in einer Urne beengter als in einem Sarg? Wird man als Hähnchen wiedergeboren?

Auch wenn man über den Tod spricht, kann man lächeln. Schließlich bestehen wir alle aus Energie, weiß Fellner: "Das ist wie wenn Du aus einem Ei Pfannkuchen machst. Dann ist da zwar kein Ei mehr, aber als Pfannkuchen ist das Ei immer noch da. Kannst dann ein bisschen Schnittlauch drüber machen".

Oberhessische Presse, 02.03.2006

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