Die Nutzung des Parkhauses an der Waggonhalle ist kostenpflichtig • Für unsere Gäste rabattieren wir die ersten beiden Stunden (3 Euro). Sie können jedoch auch alternativ die Parkplätze der Käthe-Kollwitz-Schule täglich ab 14:00 Uhr kostenfrei nutzen.

Lecture Performance Die Ex-trahere Matrix – vom Kolonialismus zur Klima(un)gerechtigkeit

DIE EX-TRAHERE MATRIX: Bildung, Klima und Liebe aus (post-) kolonialer Perspektive

10. Juli ab 20:30: Impulsvortrag und Diskussion mit Adenike Titilope Oladosu – Ökofeministin, Aktivistin für Klimagerechtigkeit, Öko-Reporterin sowie Initiatorin der Fridays-for-Future-Bewegung in Nigeria. – Eintritt frei

11. Juli ab 21:30: Musikalischer Ausklang im Rotkehlchen mit dem Afrobeats-Kollektiv Golo Vibes und DJ Diponne aus Togo – Eintritt frei

Die Inszenierung „DIE EX-TRAHERE MATRIX – vom Kolonialismus zur Klima(un)gerechtigkeit“ erzählt eine fiktive Geschichte: Während eines Vortrags eines deutschen Professors über die historischen Beziehungen zwischen Togo und Deutschland unterbricht ein afrikanischer Aktivist, der eine andere Lesart der Geschehnisse in der Vergangenheit hat, immer wieder den Vortrag. Daraufhin wird beschlossen, ein Nachtflugzeug (eine Quantenmaschine in afrikanischer Tradition) zu benutzen, das es ermöglicht, in die Vergangenheit zu reisen, ohne die Gegenwart zu verlassen, und so die ganze Wahrheit über die Kolonialisierung aufzudecken…

Mit Hilfe von Archivbildern, Interviews und Videos, die in Togo gedreht wurden, erzählen wir eine Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet und den Blick in die Zukunft öffnet.
Wir wollten diese Geschichte auf deutsche Bühnen bringen, um das Ziel dieses Projektes nicht zu verfehlen: Die Vergangenheit lebendig werden zu lassen, um besser über die Gegenwart und die Zukunft nachdenken zu können.

Mit dem Projekt DIE EX-TRAHERE MATRIX spannen wir den Bogen vom Kolonialismus zur Klima(un)gerechtigkeit. Dafür arbeiten wir mit Künstler:innen und Aktivist:innen aus Togo zusammen und erkunden die Spuren des Kolonialismus sowie des Klimawandels vor Ort. Ziel ist es, die Menschen vor Ort selbst zu Wort kommen zu lassen, so dass sie nicht zu Nebenfiguren werden – in dem Drama der Klimagerechtigkeit, von dem sie selbst direkt betroffen sind.

Togo ist einerseits stark vom Klimawandel betroffen, andererseits ist die deutsche Kolonialgeschichte kaum aufgearbeitet. Das Projekt ermöglicht einen kreativen, kritischen Austausch und Dialog – der zugleich ein zeitgeschichtlicher Blick zurück und nach vorne ist. Auf diese Weise wollen wir das Thema von Kolonialismus und Klimakrise in das Licht der Medienöffentlichkeit in Togo und Deutschland rücken.

DIE EX-TRAHERE MATRIX ist ein Hybrid aus Theater, Symposium und filmischer Dokumentation, eine Performance Lecture.

Wie hängen Kolonialismus und Klimakrise zusammen? Und warum ist das Thema so wichtig – für die Menschen in ehemaligen deutschen Kolonien aber auch für die Menschen in Deutschland?

Mehr Informationen zum Projekt:
http://paradisegardenproductions.com/kalender

 

 

Bilder: PakMedia

gefördert von

Begriff „ex-trahere“

So stark auch die nationalen Interessen Europa in der Vergangenheit kriegerisch gegeneinander gebracht haben, so liegt doch deren gemeinsames Fundament im Extraktivismus (lat. ex-trahere „herausziehen“; extractum „das Herausgezogene“), der „ausbeuterischen Matrix“. Das daraus erworbene Kapital bildet die Architektur unseres Reichtums und der Nord/Süd- Ungleichheit bis heute.

Die Natur erzählt die Geschichte der Kolonialzeit: auf allen Kontinenten wurden Mangroven, Grasland, Regenwälder und Feuchtgebiete gerodet, um Platz für Steinbrüche, Plantagen, Ranches, Straßen und Eisenbahnen zu schaffen. Wie der Historiker Richard Drayton erklärt, war der Imperialismus – die Ausdehnung des Imperiums – „eine Kampagne zur Ausdehnung eines ökologischen Regimes: eine Art, in der Natur zu leben“.

Ganze Landschaften mussten der Kontrolle und Ausbeutung unterworfen werden. Übernutzung, Verschmutzung und Entwaldung waren die Norm. Die Kolonien wurden so angelegt, dass die Ausbeutung maximiert und erleichtert wurde. Der Profit war der Kompass. Das Land wurde vermessen, abgegrenzt, parzelliert und kartiert. Die Methoden waren immer die gleichen: beschlagnahmen, enteignen, ausschließen, vertreiben, extrahieren und auslöschen. Die Natur war für die Kolonisatoren ein unbeschriebenes Blatt, das umgestaltet und nutzbar gemacht werden sollte. Wo Kolonisatoren ankamen, wurden Landkarten neu gezeichnet, Bewohner:innen vertrieben und neue Produktionsmethoden eingeführt.

Die Praktiken der kollektiven Landbewirtschaftung wurden zerschlagen, da Modelle des individuellen Eigentums eingeführt wurden. Neue Gerichte und Gesetze regierten das Gebiet und übergaben das Land an Konzessionsgesellschaften und Siedler. Langfristig ansässige Bewohner:innen waren nun „Hausbesetzer:innen“ auf ihrem eigenen Land.

Unter der Aufsicht von Peitschen und Uhren wurden die Arbeiter:innen gezwungen, die Erde zu bearbeiten: zu hacken, zu schürfen, zu brechen, zu schneiden, zu ernten, zu fördern, zu tragen und zu karren. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Zwangsarbeit verschiedene Formen angenommen, von der formellen Sklaverei, zur Leibeigenschaft, bis zur Schuldknechtschaft.

DIE EX-TRAHERE MATRIX: Bildung, Klima und Liebe  aus (post-) kolonialer Perspektive
ist ein mehrtägiges Veranstaltungsformat der Waggonhalle Marburg, welches im Zeitraum 6.-11. Juli verschiedene Orte in Marburg bespielt. Hauptprogrammpunkt ist die deutsch-togolesische Theaterproduktion „DIE EX-TRAHERE MATRIX – vom Kolonialismus zur Klima(un)gerechtigkeit“.

Samstag, 6. Juli, 14 bis 17 Uhr: Theaterworkshop für Kinder mit Williams Otako Mpaata in den Räumlichkeiten des Fast Forward Theatre Marburg
https://www.waggonhalle.de/event/im-fft-koerperbewegung-und-emotionen-erforschen/

Sonntag, 7. Juli, 11 Uhr: (Post-) Kolonialer Stadtrundgang mit der Bildungsgruppe des Weltladen Marburg – Treffpunkt am Jägerdenkmal, Marburg
https://www.waggonhalle.de/event/post-kolonialer-stadtrundgang/

Montag, 8. Juli, 20 Uhr: Filmvorführung THE HOMES WE CARRY im Capitol Marburg mit anschließendem Publikumsgespräch
https://www.waggonhalle.de/event/im-capitol-the-homes-we-carry/

Dienstag, 9. Juli, 19 Uhr: Lesung und Gespräch über Empowerment im Alltag und die Hürden rassismuskritischer und diversitätssensibler Erziehung mit Nkechi Madubuko, Williams Otako Mpaata und Dolly Afoumba im Theatersaal der Waggonhalle
https://www.waggonhalle.de/event/empowerment-und-erziehung/

Mittwoch, 10. Juli, 20 Uhr: Lecture Performance Die Ex-trahere Matrix – vom Kolonialismus zur Klima(un)gerechtigkeit mit anschließender Diskussion und einem Impulsvortrag von Adenike Titilope Oladosu – Ökofeministin, Aktivistin für Klimagerechtigkeit, Öko-Reporterin sowie Initiatorin der Fridays-for-Future-Bewegung in Nigeria im Theatersaal der Waggonhalle

Donnerstag, 11. Juli, 20 Uhr: Lecture Performance Die Ex-trahere Matrix – vom Kolonialismus zur Klima(un)gerechtigkeit im Theatersaal der Waggonhalle und anschließend mit musikalischem Ausklang (Live-DJ Diponne aus Togo und Panafrikanisches DJ-Kollektiv Golo Vibes) im Rotkehlchen

https://www.waggonhalle.de/event/lecture-performance-die-ex-trahere-matrix-vom-kolonialismus-zur-klimaungerechtigkeit/

Gutscheine

Der Gutschein ist einlösbar für Veranstaltungen in der Waggonhalle Marburg und für Speisen und Getränke in der Gaststätte Rotkehlchen.

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