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Hotel zur langen Dämmerung

Waggonhalle Produktion No. 26

Das neue Theaterstück von Willi Schmidt erzählt die Geschichte einer Clique junger Leute auf dem Dorf Anfang der 1980er Jahre. Philosophie und Politik, die Suche nach alternativen Lebensformen in deutlicher Abgrenzung zu den althergebrachten Strukturen des Dorfes sind ihre bestimmenden Themen.

Erzählt werden aber auch die Liebesgeschichten, die sich entwickeln, mit all der Vielfalt und den Widersprüchen zwischen persönlichem Anspruch und Wirklichkeit. Kann man lieben, ohne sich zu besitzen? Treibt Besessenheit bis hin zu Gewalt? Lässt sich Eifersucht überwinden?

Ein Raum ist von der Clique geschaffen worden, „Teestube“ genannt, wo man sich selbstbestimmt ausprobieren will. Das geht einigen Dorfhonorationen zu weit und so wird die „Teestube“ wieder geschlossen. Die politischen Themen der Zeit spielen hinein: Friedensbewegung, NATO-Nachrüstung, Startbahn West. Man will sich nicht abfinden und sucht nach Konsequenzen. Im Sommer trifft man sich im Haus von Eltern die verreist sind, im „Hotel zur langen Dämmerung“. Dort lebt, liebt und streitet man, Konflikte spitzen sich zu, die persönlichen wie die allgemeinen, eng miteinander verknüpft sind sie ohnehin …

Wie in der Trilogie „Das Wirtshaus an der Lahn“ wird auch dieses Stück wieder mit Live-Musik begleitet, mit Songs und Liedern, welche die Themen dieser Zeit atmosphärisch beschreiben.

Weitere Infos und Inszenierungen vom „Theater-im-Grund“ http://theater-im-grund.grundblick.de

Jochen Carsten Eidamm
Lotte Charlotte Finger
Lara Johanna Krüger, Jemina Coletta
Judith Janette Bosy
Wolle Michael Wagner
Anette Hannah Nohr
Gründgens Jakob Klinger
Jutta Corinna Kilger
Micha Martin Bibi
Rita Frida Walter, Tabea Hartmann
Fritz, Laras Vater, Intendant Hubert Klinger
Erzähler Willi Schmidt
Text und Regie Willi Schmidt
Musik Anita Naumann (Gesang), Gangolf Seitz (Klavier)
Regiemitarbeit Jemina Coletta, Frida Walter, Tabea Hartmann
Personal Coach forr Mr. Hubert Klinger Matze Schmidt
Ausstattung Sonja Kretzer
Fotos, Plakat Hasret Sahin

Oberhessische Presse vom 22.03.16

„HOTEL ZUR LANGEN DÄMMERUNG“
Episoden aus einer Welt im Aufbruch
Das „Hotel zur langen Dämmerung“ ist das 15. Stück, das der Wittelsberger Willi Schmidt auf die Bühne bringt. Immer wieder beschäftigt er sich mit lokaler Geschichte. Diesmal sind es die 80er Jahre „auf dem Dorf“.

Marburg. Die Besetzungsliste lang, die Szenenbilder knapp und reduziert. Die Erzählerstimme aus dem Hintergrund (Willi Schmidt) klärt darüber auf, wo wir uns befinden. In einem hessischen Dorf in den 80er Jahren. Doch vereinnahmt die Uraufführung von Willi Schmidts neuem Stück am Samstag auf der Waggonhallen-Bühne nicht nur mit Nostalgie und emotionaler Rückblende.

Musikalisch verdichten Sängerin Anita Naumann und Pianist Gangolf Seitz schon zu Beginn die Zeitreise professionell zu einer nachhallenden Impression. Auch während der Szene-Pausen begleiten die Zuschauer bekannte Songs aus der Zeit.

Eine Zeit des Aufbruchs

Willi Schmidt erzählt Willi Schmidt. Eine Clique auf dem Land. Im Ebsdorfer Grund freilich, da, wo er aufgewachsen ist. Doch Klischees möchte das Stück keineswegs bedienen. Schnödes Nostalgie-Hopping muss man von Willi Schmidt auch keinesfalls erwarten. Man glaubt ihn zu entdecken in Jochen (Carsten Eidam), dem Protagonisten seines Stückes.

Es ist eine Zeit des Aufbruchs zwischen Neuer Deutscher Welle und Rubik’s Zauberwürfel, zwischen Lou Reed und Konstantin Wecker, in die der Zuschauer blickt. „Persönliches in dieser Ich-Form zu erzählen und zu ergänzen, scheint mir ein probates Stilmittel für die Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklung“, sagt Schmidt im Anschluss während der Premierenfeier.

„Schließlich verwebe ich ganz viel erlebte Geschichte in diesen erzählten und gespielten Episoden. Es mündet auch nicht ganz zufällig das Ende des Stücks in das nunmehr zwanzigfach sich jährende Bestehen der Waggonhalle“, so Schmidt weiter, der selber Gründungsmitglied war.

Jugend und frühes Erwachsensein in der dörflichen Umgebung. Draußen die große Politik, die in Frage gestellt wird. Lotte, Lara, Judith, Wolle, Gründgens – sie alle diskutieren alternative Modelle, wollen eine bessere Welt schaffen, wollen Veränderung aktiv möglich machen in einer Umgebung, die den Nazi-Ungeist noch nicht in Gänze hinter sich gelassen hat.Schmidt zeigt Dorfwirklichkeiten zwischen Behütetsein und Ausgrenzung.

Autor Schmidt erzählt 
von Krise und Hoffnungen

Es ist die Zeit, in der Boris Becker und Ivan Lendl ums Tenniszepter stritten und Pink Floyds „Another Brick In The Wall“ omnipräsent aus den Lautsprechern waberte. Alles war bedeutungsschwer. Seinen Platz zu finden, seine Identität im Spannungsbogen zwischen Protest und dazu gehören wollen.

Schmidt zeigt Figuren, die sich einmal scheinbar unauflöslich im Widerspruchsknäuel der eigenen Ideale verstricken, um dann doch auch wieder zu handeln. Der Zuschauer folgt jungen Menschen, die sich weiterentwickeln und die ihre (Aus-)Wege suchen. Aber auch Fragen offenlassen. Fragen von Heranwachsenden, die ihr Potenzial nicht recht sehen, sondern lediglich die Begrenzung.

Es ist ­eine Spurensuche an der Schwelle zur Verantwortung und vor allem auf der Suche nach Möglichkeiten. Alles muss erst mal diskutiert werden. Auf Parties, den Treffen in der „Teestube“ – einem frühen Jugendclub – oder später privat in jenem Hotel zur langen Dämmerung, dem Haus einer Protagonistin, deren Eltern verreist sind. Erst mal ein Bier, gemeinsame Joints, zaghafte Liebesgeschichten – all das bildet der Autor und Regisseur ab.

Oktober 1980 auf der Bühne: Weiterbau der Startbahn West und eine Jugend in ihrer dörflichen Nische. Zwischen marktverherrlichendem Kapitalismus und Pseudosozialismus Ost zeichnet das Stück Krise und auch Hoffnung einer Jugend.

Der provinzielle Charme der Lösungsversuche

Die einzelnen Episoden, die Schmidt erzählend verknüpft, verdeutlichen übergroß, wie die Aufgabe, eine ideelle Neugestaltung der Gesellschaft zu schaffen, durchaus an Überforderung stoßen kann. Die Ideale sind der womöglich „erdrückend große Brocken“ auf der kollektiven Psyche der Gruppe, die Willi Schmidt ruhig, akribisch und konsequent mikro-geschichtlich darstellt.

Prägten auch Mittelstreckenraketen, Waldsterben, AKWs und Startbahn die 80er – der individuelle und provinzielle Charme der Lösungsversuche steht hier im Mittelpunkt und wird wieder lebendig in dieser originellen Inszenierung.

von Wolfgang Dietz

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