Die Gänsemagd – Ein neues Musical
„Der letzte Song des feierlichen Finales hallt noch nach, da erhebt sich schon das Publikum und klatscht, was die Hände hergeben. Ein sehr verdienter Lohn für das leidenschaftlich aufspielende 13-köpfige Ensemble im neuen Musical „Die Gänsemagd“. Die Marburger Waggonhalle präsentierte zur Premiere vor ausverkauftem Haus einmal mehr ein Juwel ihrer Musicalsparte.“
(Sabine Jackl, Oberhessische Presse, 03.08.2026)
Ein neues Musical in 2 Akten
Frei nach den Brüdern Grimm in der Fassung der „Brüder Grimm Festspiele Hanau“
Texte: Franziska Kuropka, Musik: Lukas Nimscheck
Prinzessin Rosa träumt von einem Leben voller Freiheit – nicht von höfischer Disziplin. Nur bei ihrer Freundin Alma, der Gänsemagd, kann sie sie selbst sein. Doch Königin Agatha verhindert jede Nähe zwischen Adel und Dienstvolk. Als Rosa in ein fernes Königreich verheiratet werden soll, wagen die beiden einen mutigen Schritt: Sie tauschen ihre Identitäten. Während Alma als „Prinzessin“ in ein neues Leben aufbricht, versucht Rosa, fern vom Hof ihren eigenen Weg zu finden. Doch der Rollentausch bringt beide vor überraschende Entscheidungen.
Erleben Sie ein modernes Musical über zwei starke, junge Frauen, die Traditionen hinterfragen und ihre eigene Geschichte schreiben. Emotionsgeladene Songs erzählen diese märchenhafte, humorvolle und rührende Geschichte. Eindrucksvolle Choreografien und Live-Gesang zu professionell produzierten Instrumentaltracks lassen an diesem Abend echten Bühnenzauber entstehen.
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Musicalpreis 2024 für das beste Buch!
Fotos: Hasret Sahin, Gerd Sycha
Das Rotkehlchen bietet passend zur Veranstaltung märchenhafte Leckereien:
VON DER REISE INS KÖNIGREICH
gänsemagd – apéritif (alkoholfrei möglich)
hausgemachter kumquatssirup | prosecco |
zitronenlimonade | zitrone | eiswürfel
8.50
DER KÖNIGSHOF
rosa‘s lieblingsgarten – großer gemischter salat
saisonale salate | gurke | tomate | radieschen | möhren |
gepickelte zwiebeln | kernmix | vinaigrette dijon
12.90
DER ROLLENTAUSCH
alma‘s verwandlung – kartoffelpuffer
mit apfelkompott
7.90
mit räucherlachs | kräuterschmand | kleiner gemischter salat
11.90
DIE GÄNSEWIESE
am wegesrand – grillgemüse
hummus | tomatenbutter | bauernbrot
10.90
HAPPY END
krönungsdessert – panna cotta
aprikosenfruchtspiegel | goldene perlen
6.90
| Intendanz | Matze SCHMIDT |
| Produktionsleitung | Felicitas HADZIK & Maik ECKHARDT |
| Regie | Felicitas HADZIK |
| Musikalische Einstudierung / Korrepetitorin | Katrin PETERS |
| Choreografie | Maik ECKHARDT |
| Bühnenbild / Set Design | Denise THEIS & Kerstin ZINT |
| Regieassistenz | Lisa PARISE |
| Technische Leitung / Lichtdesign | Jonathan ZEITZ |
| Lichtassistenz | Helena ZÄH & Philipp BETHGE |
| Technische Leitung / Sounddesign | Albert MIHAITEANU |
| Kostümbild | Felicitas HADZIK & Tabea SWIERGIEL in Kooperation mit den Auszubildenden der Maßschneider Schule der beruflichen Schulen Kirchhain |
| Dresser | Rosi RENNER & Marion WEYROWITZ |
| Maske | Cara BINDER |
| Stagehand | Marlon Körtner |
| Prinzessin Rosa | Bianca OCHSNER |
| Magd Alma | Kirsten KÖHLER |
| Zofe Tamara / Ensemble / Trude | Helena LINDEMANN |
| Gans | Jessica ROETHLINGER |
| Näherin Sarah / Dienerin Sonja / Ensemble | Emily GRUNWALD |
| Königin Agatha | Michelle TAFELMAYER | Felicitas HADZIK |
| Dienerin Ilse | Lisa PARISE |
| Zofe / Dienerin Wurm / Pferd / Ensemble | Tami Fiona BURBACH |
| Küchenjunge / Diener Ansgar / PrinzbewerberIn | Maik ECKHARDT |
| Falada | Nick KÖHLER |
| Kürdchen / Wache Olaf | Oliver GASSMANN |
| Prinz Theo | Marco ORSCHLER |
| König | Christoph FRÜHLING |
Der Lockruf der Freiheit
(Sabine Jackl, Oberhessische Presse)
Kultstatus garantiert: Emotionsgeladener Auftakt für das neue Musical „Die Gänsemagd“ in der Waggonhalle
Der letzte Song des feierlichen Finales hallt noch nach, da erhebt sich schon das Publikum und klatscht, was die Hände hergeben. Ein sehr verdienter Lohn für das leidenschaftlich aufspielende 13-köpfige Ensemble im neuen Musical „Die Gänsemagd“. Die Marburger Waggonhalle hat zur Premiere vor ausverkauftem Haus einmal mehr ein Juwel ihrer Musicalsparte präsentiert. Peppige Popsongs, Herzschmerz-Balladen, symphonische Soli und witzig-spritzige Texte für köstlich überzeichnete Charaktere lassen leicht eine Affinität zu aktuellen Disney-Musicals erkennen. In zweieinhalb kurzweiligen Stunden (unterbrochen von einer 20-minütigen Pause) kristallisiert sich heraus: In dieser Waggonhalle Produktion No. 48 keimt Kultpotential.
„Die Gänsemagd ist unser elftes Musical seit 2014“, richtet sich Intendant Matze Schmidt vor Beginn des Bühnentreibens an das Publikum. „Die Musicals gehören zu unseren größten Projekten, sie fordern das ganze Haus“, ermöglichten aber auch „wunderschöne Produktionen“. In diese reiht sich nun „Die Gänsemagd“ ein. Das „neue Musical in 2 Akten“ lässt durch den fulminanten Auftakt und erste Shows am vergangenen Wochenende keinen Zweifel: Mit insgesamt 25 Terminen wird es bis in den Herbst jede Menge Musicalfans nach Marburg locken. Illustrer Köder könnten auch die rein gar nicht zufälligen Reminiszenzen sein an diverse Dating- und Castingshows voller „Bachelors“ und „Topmodels“.
Mit der Grimmschen Geschichte über die Gänsehirtin, die mit List und Tücke die Prinzessin zu ihrer Dienerin degradiert, sich deren höfische Stellung erschummelt und zur bösartigen Monarchin mausert, hat „Die Gänsemagd“ der Waggonhalle wenig gemein. Sehr frei nach den Brüdern Grimm in der 2024 uraufgeführten Fassung der „Brüder Grimm Festspiele Hanau“ (preisgekrönter Text: Franziska Kuropka, Musik: Lukas Nimscheck) zeigt sich das Musical unter der Regie von Felicitas Hadzik im zeitgeistigen Gewand. Statt Niedertracht und festgeschriebenen Hierarchien weben in der Neu-Interpretation Loyalität und Freiheitsliebe den roten Faden der Geschichte. Letzteres auch im Wortsinn, denn die feschen, detailreichen Kostüme (Hadzik und Tabea Swiergiel mit den Maßschneider-Auszubildenden der Kirchhainer Berufsschule) sind unbedingt in einer Hauptrolle zu sehen.
Hingucker sind das fluffige Federkleid von Gans Uschi (Jessica Roethlinger vielsagender als bloß schnatternd) und die sexy rotschwarzen Leder-, Lack- und Tüllkreationen der adligen „Schwerblüter“. Auch der braungraue Look der „Leichtblüter“ (das Gesinde) lässt Fashionista-Herzen höher schlagen. Den stylischen Vogel aber schießt ein sprechendes Pferd ab: Als Falada trabt und tratscht Nick Köhler gar prächtig herausgeputzt in Weiß. Seine Schmachtoffensiven gehören zu den Höhepunkten des Abends. Köhler legt seinen Falada (ja, genau: „O du Falada, da du hangest“) als schillernde Melange an zwischen Liberace, Kerkeling und Travolta. Oder doch Elvis? Für die „King“-Variante würde „Faladas“ ausnehmend gute Stimme sprechen.
Gesanglich einen Tick zu schrill startet die Show mit Kirsten Köhler und der von ihr glaubhaft lebensnah gegebenen Magd Alma. Je länger sie singt, desto schöner und voluminöser entwickelt sich ihre Stimme. So vermag ihr Intro „Sag’, wie viel wiegt dein Blut?“ den eindringlichen Ton für die Thematik zu setzen: statisches Klassendenken und die Sprengung desselben. Die „Schwerblüter“ herrschen mit allen Rechten und viel Schwachsinn im Gemüte, die „Leichtblüter“ leiden mit allen Pflichten und leerem Magen. Weil es so nicht bleiben darf, werden Magd und Prinzessin am selben Tag als Seelenverwandte geboren, natürlich mit nachhaltigen Folgen für ihr Leben und das Königreich. Immerwährende Verbannung in der Küche ist halt genauso unerträglich wie „Prinzessin sein macht Freiheit unsichtbar.“ Also will die royale Rosa (Bianca Ochsner hinreißend bühnenpräsent, anfangs leider stimmlich zu quiekig) mit Alma und auf Faladas Rücken in die ersehnte Freiheit reiten: „Wie ist es woanders?“
Wohin der emanzipatorische Weg die Frauen auch führen mag, es droht Gefahr: Die bitterböse Königin Agatha will das aufmüpfige Prinzesschen schleunigst verheiraten, selbst wenn der Auserwählte ein verwöhntes Vatersöhnchen sein sollte. Prinz Theo („Plötzlich im Bauch ein Schmetterling“) entpuppt sich dank Marco Orschlers starkem Auftritt und Gesang zur Lichtgestalt der höfischen Hölle. Als Theos zynisch-dämlicher Vater und König zeigt Christoph Lenz, wie schwarzer Humor geht. Quelle allen Übels aber ist Agatha, eine Paraderolle für Regisseurin Hadzik. Sie brilliert als Hyperzicke mit minutiös eingesetzten, grotesken Gesichts- und sonstigen Verrenkungen, hat eine der besten Stimmen des Ensembles und ist – stets très chic – von spezieller Haltung und Klasse.
Heirat oder Galgen?, wird es bald für Rosa und Alma heißen. Ihr Rettungsplan heißt Rollentausch. „Was wäre wenn?“, singen sie hoffnungsfroh. Das edle Vorhaben erblüht wie eine Rose so schön. Und dornig. Ähnlich wie bei der historischen Vorlage mutiert die Magd zur Despotin. Rosa hingegen scheint ihr Glück als Magd zu finden – mit Küchenjunge Kürdchen (Oliver Gassmann mit großer Stimme in graziler Paradiesvogel-Gestalt). Klar, die Turbulenzen nehmen ihren Lauf, kongenial unterstützt vom klug aufgeteilten und aussagestarken Bühnenbild (Denise Theis, Kerstin Zint). Es bietet imaginären und realen Raum für Kutschfahrten, Kummer im Verlies, königliche Vergehen. Ob protzende Prinzen beim Casting oder (allzu) hyperventilierende Girlies im Gekreische: Maik Eckhardts präzise getaktete, schöne Choreografie schafft Platz für alle und alles. Hier tanzt und glänzt Emily Grunwald in Harmonie mit Helena Lindemann und Tami Fiona Burbach, und hier entsteht – last but not least – ein anrührendes Bild mägdischen und zöfischen Elends. Doch welch Glück: Mit der perfekt als Almas Mutter besetzten, auch stimmlich wunderbaren Lisa Parise weht Wärme durch die kalten königlichen Katakomben.
Und so geschieht es, dass… Nö. Wer wissen will, wie es weitergeht mit Alma und Theo, Rosa und Kürdchen, was es mit Dramaqueen Agatha wirklich auf sich hat, und ob Falada auch in heutiger Zeit seinen Stall mit einem Torbogen tauschen muss, möge sich hurtigst auf den Weg machen in den Marburger Norden.
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