Das Parkhaus an der Waggonhalle ist fertig gebaut • Die Nutzung ist kostenpflichtig • Für unsere Gäste rabattieren wir die ersten beiden Stunden (3 Euro). Sie können jedoch auch alternativ die Parkplätze der Käthe-Kollwitz-Schule täglich ab 14:00 Uhr kostenfrei nutzen.

Verschickungskind: Aufarbeitung eines Unrechts

In der Nachkriegszeit, bis in die 1990er Jahre, kam es häufig vor, dass Kinder zu einer sogenannten Kur geschickt wurden. Ärzte gaben den Eltern bisweilen fragwürdige Empfehlungen, obwohl die betroffenen Kinder oft nicht krank waren, und so wurden sie in ein Kinderheim „verschickt“, in der Regel für sechs Wochen. Traumatische Erlebnisse waren häufig die Folge. Mittlerweile ist das Thema der „Verschickungskinder“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Eine Betroffenen-Initiative ist entstanden, in der sich bis heute immer mehr Verschickungskinder zu Wort melden und über ihre Erlebnisse berichten. Selbsthilfegruppen und Vereine sind in mehreren Bundesländern entstanden mit dem Ziel, Erlittenes aufzuarbeiten und gesellschaftliche Hintergründe zu recherchieren.

Selbsthilfegruppe Hessen: „Verschickungskinder Marburg“

Die SH-Gruppe Marburg (bisher die einzige in Hessen) stellt sich vor:

Hier erhalten Betroffene die Möglichkeit, sich über erlittene psychische und physische Misshandlungen in Kinder-Kurheimen auszutauschen, diese in geschütztem Rahmen aufzuarbeiten und dadurch Linderung möglicher posttraumatischer Belastungsstörungen erfahren zu können.

Autorenlesung

In seinem 2021 erschienenen Buch erzählt Willi Schmidt in literarischer Form, auf Grundlage seiner persönlichen Erfahrungen, die Geschichte eines „Verschickungsjungen“.

Willi Schmidt wurde als Kind zweimal „verschickt“, Ende der 1960er Jahre (im Alter von 8 Jahren) nach Bad Karlshafen in Nordhessen und Anfang der 1970er Jahre (im Alter von 11 Jahren) nach St. Peter Ording an der Nordsee. Auf Grundlage dieser Erlebnisse wird die Geschichte eines Jungen erzählt, der in der behüteten, bäuerlichen Welt eines oberhessischen Dorfes aufwächst, während ihn die zweimalige Verschickung innerlich zunehmend aus der Bahn wirft, insbesondere was die Suche nach seiner Rolle als Junge betrifft. Die Suche nach seiner Identität, nach seinem Lebensweg, steht im zweiten Teil der Erzählung im Mittelpunkt, wo der Junge als Heranwachsender eine Berufsausbildung beginnt und dafür sein Dorf verlässt. Das empfindet er als „dritte Verschickung“ und das Trauma kommt wieder hoch.

Der Eintritt zur Veranstaltung „Verschickungskind – Aufarbeitung eines Unrechts“ ist frei.

Bevorstehende Veranstaltungen

Gutscheine

Der Gutschein ist einlösbar für Veranstaltungen in der Waggonhalle Marburg und für Speisen und Getränke in der Gaststätte Rotkehlchen.

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