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„Der Kontrabass“ von Patrick Süskind

Waggonhalle Produktion No. 18

Er ist Musiker im Staatsorchester und spielt das unhandlichste Instrument, das man sich vorstellen kann: den Kontrabass. Ein Waldschrat von Instrument. Das scheußlichste und plumpeste Instrument, das je erfunden wurde. Nein, dass er ihn liebt, kann man wirklich nicht behaupten. Er übt auch nicht, bei acht Kontrabässen ist es eh wurscht, was der einzelne spielt. Und als „Tutti-Schwein“ am dritten Pult steht er ohnehin ganz hinten in der Orchester-Hackordnung. Wagner steht er skeptisch gegenüber, und Jazz lehnt er sowieso ab.

Außerdem hat er seit zwei Jahren keine Frau mehr gehabt, und schuld ist der Kontrabass. Und so sitzt er allein in seinem schallisolierten Akustikzimmer, trinkt ein paar Bier gegen den Feuchtigkeitsverlust und hadert mit sich, dem Orchester, der Welt und diesem Monstrum von Instrument.

Aber da ist noch Sarah, die junge, neue Mezzosopranistin, in die er sich unsterblich verliebt hat. Eine herrliche Frau, die nur leider noch nie Notiz von ihm genommen hat. Und so fasst er einen schwerwiegenden Entschluss …

Süskind, u. a. Autor des Welterfolgs „Das Parfüm“, hat ein Stück geschrieben, das seit seiner Uraufführung 1981 der erfolgreichste Monolog auf deutschen Bühnen ist. Etwas, was kein Komponist je geschaffen hat, ein furioses Solostück für einen Kontrabass nämlich und gleichzeitig ein tiefer Einblick in ein höchst fragiles Seelenleben.

 

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Schauspiel Nisse Kreysing
Regie Matze Schmidt
Regie Assistenz Anna-Lena Göbel und Ricarda Schmid
Bühnenbild und Ausstattung Daniela Vogt

„Auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Tragödie balanciert das Stück „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind – Regisseur und Schauspieler kommen bei der Inszenierung in der Waggonhalle nicht ins Straucheln.
Das liegt an der sensiblen Inszenierung durch Matze Schmidt, der dem Stück seinen lakonischen Witz und seinen Unterhaltungswert belässt, ohne die Komik in der Vordergrund zu stellen, und es liegt an der Darstellung des Protagonisten durch Nisse Kreysing, der den Kontrabassisten mit einer Mischung aus Anmaßung und Verzweiflung spielt, in der sich beides stets die Waage hält.
Das Publikum bei der Premiere am Freitag in der ausverkauften Waggonhalle feierte die Inszenierung mit viel Applaus und Bravorufen.“
(Hinterländer Anzeiger)

„Minutenlangen Beifall gab es am Freitagabend für die Neuinszenierung von Patrick Süskinds „Der Kontrabass“. In der ausverkauften Waggonhalle feierten die Zuschauer ein äußerst unterhaltsames Solostück.
Matze Schmidts gelungene Inszenierung von „Der Kontrabass“ lebt natürlich zu allererst vom intensiven und ausdrucksstarken Spiel von Nisse Kreysing. (…)
Großartiger Nisse Kreysing meckert und motzt (…)
Hut ab vor der Leistung dieses Schauspielers, der eineinhalb Stunden lang ganz alleine auf der Bühne steht. Im speckigen Bademantel schlurft er über die Bühne, schnaubt und schreit, meckert und motzt und trinkt nebenbei einen ganzen Kasten Bier leer.“
(Oberhessische Presse)

Der Wahn des Kontrabassisten
Von Charlotte Martin
KULTURCAFé Nisse Kreysing überzeugt mit dem Monologstück von Patrick Süßkind
GROSS-GERAU – Ein einsamer Mann, ein ergreifender Monolog: Grandios war Nisse Kreysing in der Rolle des Kontrabassisten auf der Bühne im Kulturcafé. Am Samstag spielte er den 1981 erschienenen Text von Patrick Süßkind im Kulturcafé.
Er hat einen Tick, zwinkert nervös mit dem Auge, kann seine Gesichtszüge so wenig kontrollieren wie seine Verzweiflung: Nicht ein einziges Mal ist von Einsamkeit die Rede und doch kreist der Monolog des Kontrabassisten in seiner schalldichten Wohnung pausenlos darum. Räumlich und seelisch eingesperrt mit seinem riesigen, raumgreifenden Instrument, hat der Musiker die Grenze des Erträglichen erreicht:
Großartig war der Monolog, den Schauspieler Nisse Kreysing am Samstagabend im Kulturcafé auf die Bühne legte. Der 1981 erschienene, tragikomische Einakter „Der Kontrabass“ von Patrick Süßkind ist ihm auf den Leib geschrieben. Wie er da schmerbäuchig im zerschlissenen Bademantel zwischen Bühnenstuhl und Kontrabass umhertigert wie ein Tier im Käfig, das jederzeit zum Sprung ansetzen kann, erregte Abscheu und Mitleid zugleich. Zahllose Bierflaschen, die er in durstigen Schlucken leerte, übersäten die Bühne. Es schien eine ungelüftete Muffigkeit von diesem Bühnenzimmer, ja von diesem Mann auszugehen, dessen Kontakt zur Welt sich in Orchesterproben und Abendkonzerten erschöpft.
Stille im Saal, das (…) Publikum ist ergriffen. Doch wie Kreysing dann auffährt, brüllt, dass die gedämmten Wände wackeln, sich hineinsteigert in eine Wut auf das „weibliche Instrument“, sich hineinsteigert in Eifersucht auf eine Sängerin, die ihn seit langem entzückt. Da verliert er den Boden, stellt sich vor, sie wäre sein, sie wären vereint, und er brüllt wie ein Stier, wenn er daran denkt, sie könnte mit anderen Männern ausgehen. Fantasie überlappt die Wirklichkeit, Fantasie wird zum gefährlichen Wahn, reißt ihn mit, einen cholerischen Trinker, der sich knapp fängt. Er atmet durch, blickt sich um, als erwache er. Wie lange wird er sein eigenes Drama noch im Griff behalten können?
Bewegend steht dieser Kontrabassist für die Isolation in einer Welt, die Funktionalität verlangt und den Menschen dahinter nicht sieht. Schalldichte Räume, verschluckte Schreie: Keiner ahnt seine Not, wenn der Kontrabassist im dunklen Anzug ins Konzerthaus geht. Alltägliche Tragik wird in vielschichtigen Monolog gebracht: Das Publikum ist begeistert.
(Groß-Gerau-Echo 02.11.2015)

Ginsheim-Gustavsburg 13.02.2017 I
Von Jennifer Riebl
DER KONTRABASS In den Gustavsburger Burg-Lichtspielen gibt Nisse Kreysing einen depressiven Musiker / Einakter von Patrick Süßkind
GINSHEIM-GUSTAVSBURG – Die Wagonhalle (Produktion No. 18) aus Marburg inszenierte am Samstagabend in Ginsheim-Gustavsburg das 1981 von Patrick Süskind geschriebene Theaterstück „Der Kontrabass“ und zog damit zahlreiche Zuschauer an.
In den Hauptrollen: rund 20 leere Bierflaschen, verteilt auf dem Bühnenboden, ein imposanter Kontrabass und Nisse Kreysing, der seine Rolle des labilen Kontrabassisten auf hervorragende Art und Weise spielte. Im blauen Bademantel und langer, weißer Unterhose trat er in einen circa 90-minütigen Monolog mit dem Publikum. Von den großen Komponisten der Geschichte erzählend, erlebte man mit Kreysing einen zerrissenen Charakter, der sein Leben als Mitglied des Staatsorchesters zunächst noch erfolgreich schönredete. Vor allem sich selbst. Man hatte den Eindruck, Wagner und Beethoven seien seine Freunde gewesen, wenn nicht sogar enge Vertraute, analysierte Kreysing in seiner Rolle doch sehr impulsiv deren Stärken und Schwächen. Seine Liebe zu seinem Instrument, das teils auf dem Boden, teils auf einem Korbsessel platziert war, wich immer mehr einem tiefen Hass, vielleicht noch einer Hassliebe.
Aggressiv und schreiend beschimpfte und verteidigte er gleichzeitig sein „Handwerkszeug“, das ihm im Leben und während der Aufführung irgendwie immer im Weg stand. Ganz sanft und ruhig jedoch wurde Kreysing, wenn es um seine heimliche Liebe ging: Sarah, eine für ihn viel zu junge Sopranistin aus dem Staatsorchester, die sich aber abends mit anderen alten Männern trifft, um Seezunge zu essen. Und die von ihm keinerlei Kenntnis besitzt. Und auch nur deshalb ließ Kreysing ihr diese Nebenbuhler durchgehen. In seinem Monolog erzeugte er immer wieder fiktive Situationen, um bei deren Vorstellung seinen Aggressionen, seinem Frust freien Lauf zu lassen. Und während er sein breites Wissen über Musik und Leben darbot, räumte er nebenbei die leeren Bierflaschen weg.
Man hatte den Eindruck, diesen Menschen eine Zeit lang im tristen Alltag begleitet zu haben, als Kreysing schließlich im Anzug die letzte Bierflasche wegtrug, um den Weg zur Arbeit anzutreten. Voller Hoffnung, seinem Leben einen neuen Wind zu geben. Seine Sarah solle ihn endlich bemerken. Vielleicht, indem er während des bevorstehenden Konzerts einfach laut ihren Namen schreit: Sarah! Der Schrei des Kontrabasses. Das Publikum dankte und honorierte mit einem langen Applaus und einigen Jubelrufen.
(Rhein-Main-Presse)

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