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Liebe Leserinnen und Leser - September 2008

Wolf im Schafspelz
Neues vom ersten Haus am Platz


seit wir in der Waggonhalle Pilgern eine Herberge bieten, ergeben sich höchst interessante Gespräche.
So saß vor ein paar Tagen ein alter Mann vor unserer Tür, den wir fragten, ob es denn nicht mehr als gerecht sei, wenn wir viel, viel mehr Geld bekommen als alle, die noch nicht so lange Kulturarbeit machen wie wir.

Da sah er uns erstaunt an und sagte: "Wisst ihr denn nicht, dass der Haushalt gleich einem Weinberg ist?" Und er erzählte uns die Geschichte von den Arbeitern der ersten Stunde, die mürrisch wurden, als der Herr des Weinbergs den Arbeitern, die noch nicht so lange dabei waren, denselben Lohn ausbezahlte.
Dieser sprach: "Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten dasselbe geben wie dir. Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein."
Da wurden wir ganz still und schwiegen.

Vollkommen sprachlos sind wir auch angesichts der Höchstleistungen, die unsere Besucher derzeit bringen müssen, um die Waggonhalle überhaupt zu erreichen. Nachdem man uns durch die Brückensperrung nicht isolieren konnte, wurden über Nacht Baustellen in der Georg-Voigt-Straße platziert, die mit Rotphasen von biblischen Dimensionen ausgestattet sind. Auch das konnte uns nicht fertig machen. Jetzt hat man direkt vor unserer Nase noch die Einfahrt aufgerissen und in eine Buckelpiste à la Paris-Dakar verwandelt.
Und trotzdem kommen die Gäste!!!
Unsere Hochachtung!!!
Wir rechnen täglich mit weiteren Schikanen und empfehlen unseren Gästen, nicht ohne Steigeisen, Schwimmweste und ausreichend Traubenzucker zu kommen. Der König des SteinsWir schließen nicht aus, dass in den Wassergräben demnächst Krokodile ausgesetzt werden. Vielleicht sollten Sie denen was zum Spielen mitbringen.

Und noch etwas zur Pilgerherberge. Menschen kommen aus unterschiedlichsten Anlässen und mit den verschiedensten Motivationen. Gelegentlich wird aber einfach etwas falsch verstanden. So war dieser junge Herr auf der Suche nach dem "König des Steins", sprach vom Land der Gnade und ließ sein Becken kreisen.
Wir wissen nicht ganz genau, ob der junge Herr bei uns richtig war, aber es sind uns alle willkommen.

In diesem Sinne

Ihre Leuchtturmwärter

Matze "Indiana" Schmidt und Nisse "Pelvis" Kreysing