Liebe Leserinnen und Leser - Mai 2008
Neues vom ersten Haus am Platz
Kein Genmais in Rauischholzhausen! Die Universität Giessen verzichtet dieses Jahr auf den Anbau der manipulierten Gewächse.
Während sich die Gemüter über klitzekleine Veränderungen in der Erbstruktur der putzigen, gelben Nutzpflanze erregen, gerät ein Missstand in den Hintergrund, der Anlass zu viel größerer Sorge geben sollte: Wo ist Willi Schmidt?
Er wurde letzte Woche entführt und in unterirdische Labors gesperrt, wo ihm Erbgut entnommen wird mit dem Ziel, das Gen zu isolieren, das Kulturschaffende in der freien Szene dazu bringt, für fast kein Geld den ganzen Tag in der Waggonhalle zu arbeiten.
Wenn es gelänge, Menschen anderer Berufszweige mit diesem sagenhaften Tausendsassa-Chromosom zu infizieren, sind bundesweit Einsparungen in Billionenhöhe drin.
Wir in der Waggonhalle sind traditionell immer offen für Zukunftstechnologien aller Art und setzen jetzt alles auf eine Karte. Der komplette städtische Jahreszuschuss geht jetzt für unser neues Hightech-Labor drauf (siehe Bild), in dem wir Menschen klonen werden, die bereit sind, 50-70 Euro für eine Eintrittskarte zu zahlen. Wir schaffen das aber nicht allein und brauchen Hilfe. Den Chemiekasten von Willi dürfen wir benutzen, aber wer weiß, wo man geeignete Stammzellen bekommt? Außerdem ist uns ganz wichtig, dass wir keinen Tieren wehtun.Obwohl man als Kulturschaffender wahnsinnig "hip" ist und im Gegensatz zu Altersgenossen immer total jugendlich rüberkommt, merkt man dann und wann, dass man in Innersten ein "alter Sack" geworden ist. So zum Beispiel wenn die Hip-Hopper kommen und einem klar machen, dass man jetzt wirklich nicht mehr dazu gehört. Aber wenn man diesen jungen Menschen offen und ohne Vorbehalte begegnet, kann man viel lernen.
So z.B. dass die Hip-Hopper erst am 15. April Ostern feiern. Das haben sie in der Waggonhalle gemacht und uns bescheinigt, dass wir die dicksten Eier in Marburg haben. Hätten Sie gedacht, dass Jugendliche sich so sehr für alte Traditionen begeistert lassen? Und sie diskutieren ständig über moralische Wertvorstellungen wie "Respekt".
In diesem Sinne
Matze "YO" Schmidt und Nisse "ALDA" Kreysing
