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Ist der gute alte
Striptease tot? Und hat sich sein Publikum gleich mit in Staub aufgelöst,
vor den Fernseher verkrochen? Der Ansager einer Stripteasenummer betritt
die Bühne, er verspricht den letzten klassischen Strip auf deutschem Boden,
aber Andrea scheint sich zu verspäten und so muss der Ansager weiter reden
und die Hoffnung verbreiten, dass Andrea (oder Andreas?) noch kommt. Der
Conferencier mutiert zum tuntigen Entertainer, steppt über die Bühne wie
ein zu kolossaler Fred Astaire und swingt den ewigen Stripper-Ohrwurm
"Fever" mit einer Inbrunst, dass man für einen Moment Andrea, die Angekündigte
vergisst. Lustvoll spannt er die Sehne des Erwartungsbogens , umtänzelt
behände den plumpen Wirtshausstuhl, auf dem die Räkelnummer stattfinden
soll, balanciert auf dem schmalen Grat der Verlorenheit und Selbstironie.
Er lässt tiefer blicken als zwei Schenkel.
Peter Jährling, Schauspieler aus Darmstadt mutet sich den schwierigen
Akt zu, als Alleindarsteller das Publikum ständig in Spannung zu halten.
Er spielt virtuos mit den Geschlechterrollen, kokettiert mit Tabuzonen,
ohne ins Geschmacklose abzugleiten und trifft die tragikomische Figur
des Ansagers punktgenau. Der Autor Bodo Kirchhoff hatte 1994 mit dieser
elegant-schlüpfrigen Farce das Fernsehen als "Totengräber der Erotik"
im Visier. Was hätte er heute angesichts der jetzigen medialen Volksverdummung
zu Papier gebracht? Eine hypothetische Frage. Gleichwohl der Tipp des
Tages: Glotze abschalten und in die Waggonhalle gehen: Ein Schlüssellocherlebnis
wartet und ein Selbsttest kann gemacht werden, wie gut der Erotikgenerator
im eigenen Kopf noch funktioniert.
Mi 20./Do 21.10., 20 Uhr
Eintritt:
10/7 Euro
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