Volxtheater Bambule (Gießen)
Volksvernichtung
oder
meine Leber ist sinnlos
von Werner Schwab

Bambule

Ort der Handlung ist ein Mietshaus, dessen pathologische Bewohner - drei Familien zwischen sexuellen Neurosen, unterdrückten Gewaltgelüsten und Alkoholexzessen - ihren destruktiven Energien und asozialen Instinkten freien Lauf lassen. Höhepunkt der Radikalkomödie ist ein alptraumhaftes Geburtstagsfest, das in eine Orgie aus Vernichtung und Selbstvernichtung eskaliert. Mit der unverkennbaren Schwabschen Wortgewalt, parodistisch oder expressiv, immer aber wahnsinnig komisch, treten die Protagonisten gegeneinander und gegen den Rest der Welt an. Ihre zum Teil abstruse Sprache entlarvt sie und ihr erbärmliches Leben, ist aber gleichzeitig ein Schutzpanzer gegen die sprachlich-obszönen Entgleisungen der anderen. Alles in allem ein sprachliches Trommelfeuer aus der untersten Schublade, konsequent durchgezogen, welches die Tristesse zerbrochener Existenzen zeigt, die weder hoffen noch lieben können.

Mit dem 1991 in München uraufgeführten Stück Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos aus der Reihe der Fäkaliendramen leuchtet Schwab in die Abgründe der Gesellschaft. Er räumt dabei u.a. auf mit dem Klischee, dass die armen Leute stets auch die guten Leute sind.

Das Volxtheater Bambule inszenierte diese Kleinbürgerhölle mit minimalistischen Mitteln, um den Zuschauern möglichst wenig Ansatzpunkte zur Distanzierung zu lassen und sie so direkt mit dem `Menschsein` der Horrorgestalten auf der Bühne zu konfrontieren. Die Sprachwucherungen Schwabs dienen dabei als zusätzliches Mittel, um die emotionalen und geistigen Verknotungen seiner Bürgertypen hervorzuheben. Nach Dario Fos Bezahlt wird nicht ist dies die zweite große Produktion des Ensembles, dessen Mitglieder sich aus verschiedenen anderen hessischen Amateurtheatern rekrutieren. Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos ist ein weiterer Versuch, die Lücke zwischen unterhaltendem Theater, das keiner spielen will, und anspruchsvollem Theater, das keiner sehen viel, zu schließen.

Mit: Eve Köhler, Joe Graf, Sille Graf, Lars Lembke, Bernhard Riedel, Anja Hohbein, Andrea Mülhans, Jessica Curtis

Sa 27./So 28.4., 20.30 Uhr
Eintritt: 8/6 €

Waggonhalle