Die Geschichte der Waggonhalle
Liebe Leserinnen und Leser!
Als im April 1996 die Waggonhalle ihren Betrieb aufnahm, war der Erfolg eines Gastspieltheaters für hauptsächlich freie Amateurgruppen ungewiss.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, daß eine solche Spielstätte sowohl bei Künstlerinnen und Künstlern als auch beim Publikum eine große Resonanz findet.
Mittlerweile wird die Waggonhalle durchschnittlich an 20 Tagen im Monat bespielt.
Hausinterne Produktionen des Theater GegenStand wechseln sich mit Inszenierungen von Gruppen aus der Region und Gastspielen aus der deutschsprachigen und der internationalen Kulturszene ab.
Die Ergänzung des zunächst hauptsächlich auf Theater ausgerichteten Pogramms durch Veranstaltungen aus den Sparten Tanz, Performance, Musik, Improvisation, Clownstheater, Kabarett, Varieté, Literatur und Kindertheater machen die Waggonhalle zu einer Spielstätte, die mit einem abwechslungsreichen und attraktiven Programm immer mehr Menschen anspricht.
Bis zu 35 000 Besucherinnen und Besucher kommen jährlich zu den Veranstaltungen.
Es war einmal...
Die alte Waggonhalle, in dem sich die Spielstätte und die Büros des Kulturzentrums Waggonhalle befinden, blickt auf eine fast 150jährige Geschichte zurück.
Als am 3. April 1850 der erste Zug in den Marburger Bahnhof einfuhr, wurde die kle ine Universitätsstadt an der Lahn an den Schienenverkehr der Main-Weser Bahn angebunden.
Da dem Bahnhof, der etwa auf der Hälfte der Strecke Frankfurt-Kassel liegt, eine besondere Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt eingeräumt wurde, entstanden bis zum Ende des vorletzten Jahrhunderts auf dem Gelände des Bahnhofs nicht nur Verwaltungs- und Sozialgebäude, sondern auch Lokschuppen, Betriebs- und Reperaturwerkstätten, zu denen die Waggonhalle gehört.
Das Gelände des Betriebswerks Marburg wurde 1989 wegen Baufälligkeit geschlossen.
In den 90 Jahren des 20. Jahrhunderts wurden große Teile des Geländes renoviert und seitdem außer vom Kulturzentrum Waggonhalle und Theater GegenStand von der Kneipe Rotkehlchen, der Arbeiterwohlfahrt, dem freien Lokal-Radio Unerhört, dem Baukontor u.v.a. genutzt.
Von der Theatergruppe zum Kulturzentrum
Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts gründete eine Gruppe literaturinteressierter Menschen in Marburg die Literaturzeitschrift GegenStand.
Da sich das Interesse an Literatur bereits zu diesem Zeitpunkt mit der Lust am Theaterspielen verknüpfte, entstand ein erstes Theaterprojekt in Form einer szenischen Lesung expressionistischer Gedichte.
Aus diesem Projekt entwickelte sich paralell zur Literaturzeitschrift die Theatergruppe GegenStand, die im Frühjahr 1989 ihr erstes Stück, Isolation - eine szenische Vorführung, inszenierte.
Bis 1996 folgten 24 weitere Produktionen, die zunächst in der Studiobühne der Universität gezeigt wurden.
Als diese 1990 geschlossen wurde, bot das Kulturzentrum Café Trauma GegenStand seinen Veranstaltungsraum als Spielstätte an.
Da mittlerweile feststand, dass der Aufbau eines eigenen Theaters durch eine private Finanzierung ermöglicht werden konnte, begann zur gleichen Zeit die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.
Eine Tanzschule, ein Parkhaus, das ehemalige Kurhotel und die mittlerweile abgerissene Fabrikhalle
am Biegeneck wurden als mögliche Spielstätten erwogen, bevor GegenStand auf die Alte Waggonhalle
in der Rudolf-Bultmann-Strasse stieß.Nach langwierigen Verhandlungen mit der Bundesbahn und umfangreichen Altlastenuntersuchungen kam Ende 1993 ein 20jähriger Pachtvertrag für die Halle zustande.
Während im Café Trauma weiterhin zahlreiche neue Inszenierungen mit alten und neuen theaterbegeisterten Leuten gezeigt wurden, renovierten die GegenständlerInnen mit großem persönlichen Einsatz die Waggonhalle und richteten sie für den Theaterbetrieb her.
Zwischen den alten Backsteingebäuden und stillgelegten Schienen entstanden ein Aufführungsraum mit 99 Zuschauer/innenplätzen und ein ca. 40 qm großer Probenraum sowie die Kneipe Rotkehlchen und das Tagungshaus Waggonhalle.
Am Donnerstag, den 11.04.1996 war es dann endlich so weit: Die Waggonhalle nahm den Betrieb mit einem dreitägigen Eröffnungspogramm auf.
Seitdem haben in der Waggonhalle jedes Jahr zwischen 200 und 250 Veranstaltungen stattgefunden.
Das Programm wurde von Beginn an zu 50% in Eigenproduktionen des Theater GegenStand und zu 50% in Gastspiele aus dem In- und Ausland oder Koproduktionen von Theater GegenStand und externen KünstlerInnen geteilt.
Der mit einem Veranstaltungszentrum verbundene Arbeitsaufwand im Bereich Finanzen, Programmplanung, Technik und Öffentlichkeitsarbeit wurde zunächst weiterhin von dem Theaterensemble GegenStand hauptsächlich ehrenamtlich geleistet.
Um sowohl die Qualität des Gastspielpogramms als auch der Eigenproduktionen weiterhin gewährleisten zu können, entschied Theater GegenStand 1999, eine personelle, finanzielle und rechtliche Trennung der bisher gemeinsam getragenen Bereiche zu vollziehen.
Zu Beginn des Jahres 2000 wurden die Theatergruppe GegenStand und das Kulturzentrum Waggonhalle in zwei Trägervereine geteilt, die jeweils die Hälfte des Programmes gestalten.
Ein Ort, an dem Kultur entsteht
Seit der Eröffnung der Waggonhalle 1996 ist deutlich geworden, daß die Waggonhalle als Gastspielort in Marburg sowohl vom Publikum als auch von unterschiedlichen Theatergruppen sehr gefragt ist.
Viele Veranstaltungen sind ausverkauft und die Anfrage von spielfreudigen Ensembles übersteigen die Kapazität der Waggonhalle.
Einen großen Teil der Attraktivität der Waggonhalle macht der soziokulturelle Ansatz aus.
Das Team der Waggonhalle will möglichst vielen Menschen ermöglichen, selber Kultur zu produzieren und öffentlich zu präsentieren oder aber Kultur als Zuschauer/in zu genießen.
Ambitionierte Laienschauspieler/innen erhalten die Möglichkeit, in GegenStand Produktionen mitzuwirken oder mit einer eigenen Gruppe aufzutreten.
"Neulinge" können sich in von GegenStand angebotenen Theaterworkshops und Körpertrainings der Theaterarbeit nähern.
Im Gastspielbetrieb spielen Profi- und Amateurgruppen zu den gleichen Konditionen.
Die Eintrittsgelder werden im Vergleich zu privatwirtschaftlich-kommerziell oder öffentlich-rechtlichen Veranstaltern verhältnismäßig gering gehalten.
Auch wenn der soziokulturelle Ansatz für die Mitarbeiter/innen ein hohes ehrenamtliches Engangement bedeutet, wird dieses immer wieder dadurch belohnt, dass es mit dem Projekt Waggonhalle möglich geworden ist, mit vielen Menschen die Freude an der Kulturproduktion und -rezeption zu teilen.

Kneipe und Tagungshaus
Ebenfalls in der Waggonhalle untergebracht sind die Kneipe Rotkehlchen und das Tagungshaus Waggonhalle.
Beides sind organisatorisch und betriebswirtschaftlich selbstständige Betriebe, mit denen die Waggonhalle eng zusammenarbeitet.
Im Tagungshaus Waggonhalle, welches häufig zur Unterbringung der Gastgruppen genutzt wird, stehen ein ca 60 qm großer Übungsraum, ein Aufenthaltsraum mit Küche und 8 Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Ein wunderbares Ambiente für die Theaterbesucher/innen bietet die ganztags geöffnete Kneipe Rotkehlchen.
An der Bar, auf der Galerie oder im Sommer im Biergarten werden neben zahlreichen Getränken leckere Kleinigkeiten und kulinarische Höhepunkte sowie ein täglich wechselndes Tagesgericht serviert.
Außerdem sind in den großzügigen, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten des Rotkehlchens regelmäßig Ausstellungen von Marburger Bildenden Künstler(inne)n zu sehen.
Einmal monatlich findet auf dem Außengelände ein Flohmarkt statt.
Was können Sie tun?
Der Umbau der Waggonhalle zu einem Theater wurde durch die Bereitstellung der entsprechenden Mittel privater Sponsoren ermöglicht.
Die laufenden Betriebskosten bestreitet die Waggonhalle aus Eintrittsgeldern, öffentlichen Zuschüssen, Sponsoring und Spenden. Natürlich bleibt die Waggonhalle dabei nicht von den Schwankungen in der öffentlichen Kulturförderung unberührt.
Damit wir kontinuierlich unser Pogramm interessant und abwechslungsreich gestalten können, möchten wir Sie bitten uns mit einer Spende zu unterstützen.
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